Tag der Befreiung 2026

Am 8. Mai, dem 81. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus und vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, veranstaltete die VVN-BdA Karlsruhe gemeinsam mit Verdi, GEW und NGG die Befreiungsfeier im Verdi-Haus Karlsruhe.
Für den Gastgeber Verdi sprach der Jugendsekretär Moritz Tremmel das Grußwort. Er zeichnete die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung von der kämpferischen Haltung der II. Internationale bis zur Burgfriedenspolitik im 1. Weltkrieg nach und kritisierte insbesondere das Verhalten der Gewerkschaftsführungen und der SPD vor der Machtübertragung an den deutschen Faschismus 1933. Statt entschlossen Widerstand zu leisten habe man auf Mäßigung und Beschwichtigung gesetzt, obwohl ein Generalstreik die Machtübertragung an Hitler möglicherweise noch hätte verhindern können. Tremmel betonte, dass die Gewerkschaften aus ihrer Geschichte lernen müssten. Angesichts gesellschaftlicher Rechtsentwicklung und Kriegsvorbereitungen brauche es heute wieder eine kämpferische, antifaschistische Gewerkschaftsbewegung. Er sprach von der Notwendigkeit eines „handfesten antifaschistischen Selbstschutzes“ und verband die antifaschistische Perspektive mit einer grundsätzlichen Kritik kapitalistischer Verhältnisse. Sein Grußwort endete mit den bekannten Zeilen aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“:
„Und die da reden von Vergessen,
und die da reden von Verzeihn –
all denen schlage man die Fressen
mit schweren Eisenhämmern ein.“
Die Eröffnungsrede der VVN-BdA erinnerte an die Millionen Opfer des deutschen Faschismus, aber auch an die Leistungen der Alliierten – insbesondere der Sowjetunion –, an die Partisaninnen und Partisanen in den besetzten Ländern sowie an die Männer und Frauen des antifaschistischen Widerstands. Mit Bezug auf die Gegenwart wurde der Schulstreik gegen die Wehrpflicht hervorgehoben, der am Vormittag des 8. Mai bundesweit stattgefunden hatte. „Da ist eine Jugendbewegung am Entstehung, die es nicht widerspruchslos hinnehmen will, dass Deutschland zum dritten Mal innerhalb von hundert Jahren ‚kriegstüchtig‘ gemacht werden soll; die es nicht hinnehmen will, als Kanonenfutter an der Front zu enden.“ Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Politik der „Kriegstüchtigkeit“ alle Menschen betreffe, nicht nur die Jugend. „Gesundheitswesen, Schulen und Hochschulen, wissenschaftliche Einrichtungen, die industrielle Infrastruktur, die Verkehrsinfrastruktur – Straßen, Brücken, Schienenverkehr -, alles soll der militärischen Logik untergeordnet werden.“ Um das erklärte Ziel zu erreichen müssten Regierung und Bundeswehr jedoch einige Hindernisse aus dem Weg räumen, die die deutsche Geschichte mit sich bringe. Dazu gehöre insbesondere die gedenk- und erinnerungspolitische Kultur. Die Kriegsschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg werde mittlerweile mit Bezug auf den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt offen relativiert. Der antifaschistische Widerstand solle vergessen gemacht werden, wie das Erinnern in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald und ihrer Selbstbefreiung zeige. Die Bundesregierung setze die von der AfD schon vor Jahren geforderte „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ Schritt für Schritt um. All dem müsse sich eine starke Friedens- und antifaschistische Bewegung entgegenstellen. „Nie wieder Krieg!“ bedeute heute: „Deutschland muss friedensfähig werden, nicht ‚kriegstüchtig‘!“
Das kulturelle Programm des Abends gestaltete das österreichische Duo Betty Rossa & Kapelle Gigs. Ihr Programm verband antifaschistische und internationale Widerstandslieder mit historischen Einordnungen. Das Konzert spannte einen Bogen vom österreichischen Februaraufstand 1934 über den antifaschistischen Kampf in Spanien bis hin zum Widerstand der italienischen, griechischen und jüdischen Partisaninnen und Partisanen. Mit Liedern wie „Der Februarkämpfer“ erinnerten Betty Rossa an den bewaffneten Widerstand der österreichischen Arbeiterbewegung gegen den Faschismus. Die Kämpfe des Republikanischen Spaniens und der internationalen Brigaden wurden mit dem Lied „Das 5. Regiment“ gewürdigt. Mit „Bella Ciao“ wurde der italienischen Resistenza gedacht.
Besonders eindrücklich war, als alle vier Lieder der „Mauthausen-Kantate“ von Mikis Theodorakis interpretiert wurden. Ergänzt wurde dies durch die Erinnerung an die sogenannte „Mühlviertler Hasenjagd“, die Verfolgung entflohener sowjetischer Häftlinge aus dem KZ Mauthausen im Februar 1945. Während sich Teile der Zivilbevölkerung an der Hetzjagd beteiligten, gelang einigen wenigen Geflüchteten die Rettung. In ihrem eigens dafür umgedichteten Lied „Mühlviertler Nächte“, nach der Melodie von „Moskauer Nächte“, verbanden Betty Rossa diese Geschichte mit einem bewegenden Gedenken an die sowjetischen Opfer des Faschismus. Mit dem „Lied von der Soja“ wurde aber auch dem sowjetischen Partisanenwiderstand gedacht.
An den jüdischen Widerstand erinnerten jiddischen Partisanenlied wie „Zog nit keynmol“, das auch in deutscher Übersetzung gesungen wurde – „Sage nie, du gehst den allerletzten Weg“ –, oder der „Arbeitslosenmarsch“. Das Lied „Drei rote Pfiffe“ erzählte die Geschichte der österreichischen Antifaschistin Helena „Jelka“ Kuchar.
Zum Ende des Konzerts rückten internationale Friedenslieder in den Mittelpunkt. Gespielt wurden unter anderem „Das weiche Wasser bricht den Stein“ und das titelgebende Lied des neuen Albums von Betty Rossa: „La Paloma de la Paz“ – Die Friedenstaube. In der Zugabe wurde eine umgedichtete Fassung von Leonard Cohens „Hallelujah“ gespielt, ebenso „Gracias a la vida“. Beendet wurde das Konzert mit dem Ton Steine Scherben Klassiker „Der Traum ist aus“ mit dem Refrain: „Aber wir werden alles geben, dass er Wirklichkeit wird.“








